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GBC - größte deutsche Speedskating-Serie aufgelöst
Geschrieben von: Lutz Weber   
Samstag, den 06. März 2010 um 11:48 Uhr
Die German Blade Challenge ist 2001 aus einer Serie von Rennen in Hamburg entstanden, als Inlineskaten ein Massenphänomen war. Zu der Zeit boomten die Nachtskateveranstaltungen, bei denen Inlineskater durch die Straßen deutscher Großstädte cruisten. Legendär sind vor allem die Veranstaltungen in Frankfurt und München, wo in den Hochzeiten fast 30.000 Menschen auf Rollen unterwegs waren. Für diejenigen jedoch, die etwas leistungsorientierter Skaten wollten, gab es nur die Möglichkeit, dies auf einer der wenigen Bahnen in Deutschland oder als „Anhängsel“ an eine Laufveranstaltung zu betreiben. Zudem gab und gibt es eine Reihe von regionalen Serien, etwa in Bayern oder Nordrhein-Westfalen.
Was jedoch fehlte, war eine hochklassige Veranstaltungsreihe auf Strecken, die an die Bedürfnisse der Speedskater angepasst waren und hohen Sicherheitsstandards entsprachen. Mit der, damals noch nach einem Titelsponsor benannten, German Blade Challenge stieß der Hamburger Eventveranstalter Karsten Schölermann erfolgreich in diese Lücke. Gemeinsam mit dem Dachverband, dem Deutschen Rollsport- und Inlineverband (DRIV), Speedskatingvereinen und engagierten Einzelpersonen und Unternehmen aus dem Umfeld der Szene gelang es, die neue Serie deutschlandweit zu etablieren.
Dass die deutschen Speedskater eine hervorragende Position erreicht haben, haben nicht zuletzt 2009 die Weltmeisterschaften in China gezeigt. Drei Weltmeistertitel für Sabine Berg aus Gera und drei weiteren Bronzemedaillen für weitere deutsche Skater bei den Straßenrennen in Haining City sprechen für sich. Dazu gibt es in Deutschland das weltweit mit Abstand größte Inlinerennen, den Marathon in Berlin, der als einzige derartige Veranstaltung live im Fernsehen übertragen wird. Die Attraktivität der hiesigen Veranstaltungen, gerade auch der GBC-Events, zeigt die regelmäßige Teilnahme internationaler Spitzensportler, wie etwa der aus der Inlineskate-Nation Nummer 1, Kolumbien.
Bis zu 15 Veranstaltungen im Jahr von Hamburg im Norden bis Regensburg im Süden, von Bochum im Westen bis Berlin im Osten füllten in den acht Jahren GBC von April bis Oktober den Rennkalender. Zwischendurch gab es sogar mit Rennen in Österreich und der Schweiz eine europäische Dimension; weiter Veranstalter in Belgien und Dänemark zeigten sich interessiert. Doch wie so oft war es am Ende das Geld, das das Konzept zum Scheitern brachte.
Kein Sportveranstalter ist in der Lage, einen Großevent ohne Sponsoren zu stemmen. Ohne Geld gibt es keine Spitzensportler, ohne Spitzensport keine Medienaufmerksamkeit und ohne Medienecho keine Sponsoren – ein Teufelskreis, aus dem nur schwer zu entkommen ist. Zwar hatte die German Blade Challenge mit ihrem professionellen Auftreten, eigens produzierten fernsehtauglichen Videoberichten und konsequenter Medienarbeit vieles unternommen, um sich für Geldgeber attraktiv zu machen. Genützt hat es am Ende nichts. Karsten Schölermann nannte den Ausstieg seines Hauptsponsors, einer ostasiatischen Brauerei, als Grund für die kurzfristige Beendigung der Traditionsserie. „Die GBC“, so Schölermann; „war mein Baby und ich hatte gehofft, dass wir 2010 neu starten können mit finanziellen Rahmenbedingungen, die eine Zukunftsperspektive eröffnen.“
Die Veranstalter, die sich auf die GBC ausgerichtet haben, müssen sich nun neu sortieren. Zwar wird der Dachverband DRIV, der die GBC als seine offizielle Serie anerkannt und sie unterstützt hatte, in drei Wochen beraten, wie es weitergeht, aber der Zeitpunkt kurz vor Saisonstart macht es schwierig, tragfähige Lösungen zu finden. „Wir werden überlegen, wie die jetzt entstandene Situation gestaltet werden kann, damit den vielen engagierten Inline-Skaterinnen und -Skatern in Deutschland ein attraktiver Rennkalender geboten werden kann“, erklärte Irmelin Brigitta Otten, Vorsitzende der SK Inline Fitness und Speedskating im DRIV. Optimistisch ergänzte sie, „in jedem Ende liegt auch die Chance auf einen Neubeginn.“
Es gibt in Deutschland eine weitere Speedskatingserie, die mit der GBC konkurrierte, den German Inline Cup (GIC). Schon der Name verdeutlicht die Anlehnung an Swiss Inline Cup und World Inline Cup. Veranstalter ist in allen Fällen die Agentur Iguana, deren deutsche Niederlassung den GIC organisiert. Unter diesem Dach fanden bisher vier große Marathons am Mittelrhein, in Berlin und in Köln sowie der Berliner Halbmarathon statt. 2010 kommt neu ein Skaterennen in Bremen dazu. Der Volksmund meint zwar, Konkurrenz belebe das Geschäft, in diesem Sport jedoch war sie eher kontraproduktiv, weil um die ohnehin knappen Gelder noch gerangelt wurde. Die Hoffnung vieler Sportler, es möge gelingen, aus beiden Serien eine gemeinsame zu entwickeln, hat sich jetzt auf die denkbar ungünstigste Weise erfüllt, nämlich mit der Aufgabe eines der beiden Serienpromoteren. Inwieweit Iguana Deutschland die entstandene Lücke füllen will und kann, bleibt abzuwarten.
Karsten Schölermann bleibt der Szene erhalten. Mit seiner Hamburger Sportagentur BMS wird er weiterhin Inlinerennen in Hamburg und Umgebung organisieren. Den vom DRIV bedauerten Verlust für den organisierten Inlinesport sowohl für die Breitensportler in den Vereinen wie auch den Spitzensport wird das allerdings nicht kompensieren können. 2010 bleibt ein Jahr des Umbruchs, ob auch der Konsolidierung des Speedskatings muss sich erst noch zeigen.

Von Kurt U. Heldmann
     
Nachtrag in eigener Sache von VERO:
Ein großes Lob und vielen Dank an die jahrelange Organisation und Ausführung der GBC von VERO und seinen Teamfahrern an die Leute hinter der GBC - Carsten und die gesamte Mannschaft !
 
 
 
        
 

 

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